Laura Chinchilla, Costa Ricas eiserne Lady
Von Torge Löding (Voces Nuestras), San José
Eine Frau an Costa Ricas Spitze, so manchen Macho ärgert das. Nicht selten waren im Wahlkampf abschätzige Kommentare selbst von treuen Parteigängern der Rechts-Sozialdemokratischen PLN zu hören gewesen. Doch aus feministischer Sicht bedeutet die Wahl der 50jährigen Politologin, die sich gerne als „standhafte und ehrliche“ eiserne Lady darstellt, keinen Fortschritt. Im Gegenteil: Feministische Organisationen sprachen sich in einem offenen Brief gegen sie aus. Sie habe keinen Respekt vor Errungenschaften der Frauenbewegung, lautet der Vorwurf. Mit ihrer Unterstützung des neoliberalen CAFTA-DR-Freihandeslabkommens trete Chinchilla zudem die Frauenrechte mit Füßen.
Politische Gegner stellten sie im Wahlkampf sogar als Marionette ihres politischen Mentoren Oscar Arias dar. Dieses Bild ist indes zweifelhaft, denn Laura Chinchilla verfügt fraglos über große Sachkompetenz — die sie freilich in den Dienst ihrer eigenen Politikagenda stellt — und einen ausgeprägten Machtinstinkt. Sie entstammt einer einfachen Mittelschichtfamilie, musste sich als alleinerziehende Mutter in einer Machogesellschaft behaupten und hat sich nach oben gekämpft. Sie studierte in den USA und wurde später zur treuen Paladinin der abgehobenen Politikerkaste des Landes. Bereits in den 90iger Jahren war sie als Innenministerin tätig gewesen. Sie gilt als führende Expertin für Kriminalität in Zentralamerika, in diesem Kontext arbeitete sie als Beraterin für die Interamerikanische Entwicklungsbank, Vereinte Nationen und andere internationale Organisationen. Unter der scheidenden Regierung Arias wirkte sie als Justizministerin und Vizepräsidenten. Politisch positioniert sich die Frontfrau der traditionell konservativen „Sozialdemokratie“ Costa Ricas als „moderne Sozialdemokratin“. Darunter versteht sie polizeistaatliche Überwachung, Privatisierung und Abbau des Sozialstaates.