Archiv der Kategorie 'Allgemeines'

Laura Chinchilla ist erste Präsidentschaftskandidatin

(San José) Mit deutlicher Mehrheit konnte sich bei den internen Vorwahlen der regierenden “sozialdemokratischen” Partei der Nationalen Befreiung (PLN) die ehemalige Vizepräsidenten der Republik Laura Chinchilla durchsetzen. Als erste weibliche Präsidentschaftskandidatin in Costa Rica wird sich die Vertraute des amtierenden Präsidenten und Friedensnobelpreisträgers Oscar Arias (PLN) am 07. Februar 2010 ihren Herausforderern stellen.

Zum dritten Mal wirft für die Mitte-Links-Formation “Partei der Bürgeraktion” (PAC) deren Gründer und ehemalige Planungsminister Ottón Solis den Hut in den Ring. Wegen Kritik am Privatisierungskurs und dem CAFTA-Freihandelsabkommen hatte er die neue Partei 2001 aus der Taufe gehoben. Bei den Wahlen 2006 unterlag er Oscar Arias nur knapp, bis heute sind  Gerüchte über Wahlbetrug nicht ausgeräumt.

Den wohl schillernsten Kandidaten schickt die “Partei der Christlich-Sozialen Einheit” (PUSC) ins Rennen. Sie hat ihren Ex-Präsidenten (1990-1994) Rafael Angel Calderón aufgestellt. Die Christsozialen mussten dafür ihre Statuten ändern, denn gegen den Politiker läuft ein Korruptionsverfahren. Im Jahr 2004 wurde aufgedeckt, dass Calderón und zwei weitere Ex-Präsidenten zu ihren jeweiligen Amtszeiten in Schmiergeldskandale verstrickt waren. In 2004 und 2005 saß er in Untersuchungshaft. Vom Korruptionsskandal ist auch ein Ex-Präsident der PLN betroffen, aber politisch bezahlte vor allem die PUSC einen hohen Preis. Vor drei Jahren stürzte sie von der Regierungs- zur Splitterpartei ab, ihr Kandidat erhielt gerade einmal 3,5 Prozent der Stimmen.

Die politische Rechte repräsentiert Otto Guevera von der “Libertären Bewegung” (ML). Da deren Parteifahne rot ist, sorgt das in Zusammenhang mit dem Parteinamen manchmal für Verwirrung.
Weitere Parteien wie die Partei für die Rechte von Menschen mit Behinderung (PASE),  die Linkspartei “Frente Amplio” oder die an der Anti-CAFTA-Bewegung ansetzende “Patriotische Allianz” (AP) wollen ebenfalls antreten, haben ihre Präsidentschaftskandidaten aber noch nicht benannt. (Torge Löding)

35 Kühe vom Blitz erschlagen

(San José) Die Regenzeit beginnt in Costa Rica in diesem Jahr mit besonders heftigen Gewitterstürmen. Eine schlimme Erfahrung damit machte am vergangenen Freitag der Landwirt Rubén Naranjo (76) in der Nähe von Coto Brus, einem Ort in den Bergen des Landesinneren nahe der Grenze mit Panama. Kurz vor sieben Uhr Morgens verließ Naranjo sein Haus, um zu seiner etwa  sieben Kilomter entfernt liegenden Kuhweide zu fahren. Bevor er aufbrach, hörte er einen Donner, so stark wie nie zuvor. “Das ging durch Mark und Bein, aber ich habe mir im Traum nicht vorgestellt, welchen Schaden dieser Blitz angerichtet hatte”, sagte der Landwirt gegenüber der Tageszeitung  La Nación.

Der Anblick auf der Kuhweide war erschreckend: Das Vieh hatte sich offenbar vor dem Gewitter unter einem großen Baum zusammen gedrängt. Nun lagen alle dahingestreckt auf dem Boden, einige lagen sogar übereinander. Nur eine Handvoll Kühe lebte noch, 35 waren tot. Anscheinend wurden sie Opfer eines Blitzes. “Merkwürdig ist allerdings, dass der Baum gar keine Schäden aufweist”, berichtete Naranjo.

Den Schaden beziffert er auf 40.000 US-Dollar.  Naranjo: “Das Vieh war mein Lebenswerk. Ich bin ruiniert!”. (tol)

Erfolgreiches Sozialforum in der Karibik

(San José, 04. Juni 2009, voces nuestras).- Mehr als 100 Interessierte kamen am Samstag, dem 30. Mai zum ersten regionalen Sozialforum der costa-ricanischen Karibik nach Puerto Limón. Die meisten von ihnen als RepräsentantInnen sozialer Bewegungen, Kirchen, Gewerkschaften und StudentInnenorganisationen. „Ein zentrales Diskussionsthema war der Kampf gegen die Privatisierung der Hafengesellschaft JAPDEVA“, sagte Liroy Perez, Sprecher der Gewerkschaft SINTRAJAP. Alle Teilnehmenden waren sich einig, dass weitere Aktionen wie Streiks und Demonstrationen nötig seien, um die öffentliche Hafengesellschaft mit sozialer Funktion zu verteidigen.

Limón ist eine der ärmsten Regionen des mittelamerikanischen Landes. Diskutiert wurden bei diesem, von den Veranstaltern als Erfolg eingestuften Forum, auch
spezifische Themen wie Gesundheit, Tourismus und Kriminalität. Das regionale Sozialforum sprach sich gegen die Kriminalisierung von Kindern und Jugendlichen aus
und forderte zum Beispiel eine Jugendpolitik, welche Sport, Kultur und Bildung fördere. Diese Anstrengung solle mit einer Abgabe von einem Prozent aus der Steuer bezahlt werden, die auf Bananen erhoben wird sowie zwei Prozent aus jener aus dem Ananasanbau.

Das Forum von Puerto Limón war das dritte regionale Sozialforum in Costa Rica, einer Veranstaltungsreihe, die zurückgeht auf die Initiative von kritischen katholischen
Priestern und des lutherischen Bischofs Melvin Jiménez. (Von Torge Löding)

Gratisreisen nach Costa Rica!

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Das Ausrüstungshaus Globetrotter.de hat unterdessen ein kostenloses, 84-seitiges Costa Rica Spezial veröffentlicht. Dieses Enthält ein Gewinnspiel mit einer Costa-Rica-Reise als Hauptgewinn! (tol)

World Games 2009: Die Welt surft in Costa Rica

Vom 01. - 08. August lädt die International Surf Organisation (ISA) zu den diesjährigen World Surfing Games nach Costa Rica ein. Austragungsort ist Playa Hermosa bei Jacó am Zentralpazifik. Um Titel werden sich die Teilnehmenden streiten in den Disziplinen Open Men, Open Ladies, Bodyboard Men, Bodyboard Ladies und Longboard. Im Teamwettbewerb werden gar die Mannschaftsergebnisse aus ALLEN Disziplinen berücksichtigt. Bei den World Games im verganenen Jahr in Portugal konnte erneut das Team aus Australien den Titel davon tragen. Auch dieses Jahr gehört Australien zu den Favoriten.  (tol)

COSTA RICA: SICHERSTES LAND LATEINAMERIKAS

Costa Rica gilt für die Unternehmer und multinationalen Firmen als sicherste Nation Lateinamerikas. Das enthüllte der letzte Latina-Sicherheitsindex (engl. Latin Security Index). Letzterer wird von der FTI Consulting Ibero America für die Wochenzeitschrift Latin Business Chronicle ermittelt.

Der Index sieht die Klassifizierung des Gefahrengrades in jedem Land vor. Die Bemessung erfolgt mit Punkten von 1 bis 5 – 1 für ein total sicheres Land und 5 für eine unzureichende Sicherheit.

Nur drei Länder in Lateinamerika erhielten zwei Punkte: Costa Rica, Chile und Uruguay. Von diesen wurde Costa Rica als das Sicherste ermittelt, meinte Frank Holder, Senior Geschäftsführer der FTI für rechtliche Angelegenheiten und prominenter Sicherheitsexperte für Lateinamerika.

Quelle: ICT

US-TV dreht “Dschungelcamp” in Costa Rica

Im costaricanischen Dschungel werden US-Berühmtheiten — oder solche die es sein wollen — um die Aufmerksamkeit der TV-Zuschauer buhlen.  Medienberichten zu Folge startet in Costa Rica in den kommenden Tagen die erste Staffel von I m Celebrity … Get me out of here (Ich bin ein Star … holt mich hier raus), die Dschungelcamp-Variante des US-Fernsehnetzwerkes NBC.

NBC bestätigte die Berichte, liess aber keine weiteren Details bekannt werden. Weder der genaue Drehort, noch die Namen der zehn Kandidaten sind bekannt. Der Sender bestätigte lediglich, dass er einen Vorvertrag mit Rod Blagojevich geschlossen habe. Der umstrittene Ex-Gouverneur von Illinois ist in 16 Fällen der Korruptin angeklagt. Bekannt wurde auch sein angeblicher Versuch den ehemaligen Senatssitz von US-Präsident Barack Obama zu “verkaufen”.

Das Dschungelcamp geht wie die erfolgreiche deutsche Version auf eine Produktinsidee aus Großbritannien zurück. In den USA floppte 2003 der Versuch des Senders ABC die Reality Show zu etablieren. Damals gewann Cris Judd, Ex-Mann von Jennifer Lopez, den wenig beachteten Wettbewerb. NBC verspricht neue Knalleffekte, welche die Show dieses Mal zum Erfolg führen sollen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Costa Rica Austragungsland für eine internationale Reality Show ist. Im Jahr 2005 fand hierzulande zum Beispiel eine Etappe von The Amazing Race: Family Edition statt.  (tol)

Regierung in Schmiergeldskandal verwickelt

Von: Torge Löding

Nach Ansicht des Abgeordneten der Linkspartei „Frente Amplio“ José Merino sollte Costa Ricas Präsident Oscar Arias dessen Bruder Rodrigo Arias aus dem Amt des Präsidentschaftsministers entfernen.

Die Abberufung des Präsidentschaftsministers Rodrigo Arias (PLN) fordert der Oppositionspolitiker in einem offenen Brief an den Staatschef. Hintergrund ist der Skandal um Millionenzahlungen aus Taiwan, welche die „Zentralamerikanische Bank für wirtschaftliche Integration“ (BCIE) an führende Mitglieder der rechts-sozialdemokratischen Regierungspartei PLN sowie der christsozialen PUSC weitergeleitet hat.

Den Skandal hatte ausgerechnet die regierungsnahe Tageszeitung La Nación aufgedeckt, angesichts der eingeleiteten Ermittlungen gab Bauminister Fernando Zumbado (PLN) bis zum Abschluss der Untersuchungen sein Amt vorläufig auf. José Merino merkt an, dass Minister Rodrigo Arias direkt verantwortlich ist für die Zahlung von zwei Millionen US-Dollar, welche die Bank an den Präsidentensitz für „Beratungstätigleiten“ zahlte. „Damit wurde direkt die Schmutzkampagne der Regierung für das CAFTA-Referendum bezahlt“, so der Linkspolitiker.

Orquesta del Rio Infinito geht auf die Reise

Von: Torge Löding (Voces Nuestras)

Dem „Orchester des unendlichen Flusses“ schlossen sich 100 Musiker aus Lateinamerika an.

Das „Orquesta del Rio Infinito“ – das „Orchester des ewigen Flusses“ – hat seine erste Reise unternommen. Diese einmalige Formation von über 100 Musikern aus 14 Ländern Lateinamerika, darunter der bekannte linke Liedermacher León Gieco aus Argentinien,  möchte in den kommenden Jahren Flüsse auf dem ganzen Kontinent bereisen und sucht dabei den Austausch mit den Menschen in den Gemeinden, die sie besuchen. Dabei geht es ihnen nicht nur um kulturellen Austausch, sondern auch um umweltpolitische Fragen.

costa-rica-musikDas erste Kapitel der Reise führte rund 50 der Musiker des vom costaricanischen Pianisten Manuel Obregon ins Leben gerufenen Orchesters auf den Rio San Juan, den umstrittenen  Grenzfluss zwischen Costa Rica und Nicaragua. Hauptattraktion war das Konzert auf der großen Bühne, welche auf dem Pier des nicaraguanischen Ortes San Carlos errichtet worden war, wo sich der Rio Frio mit dem Rio San Juan trifft und in den mächtigen Lago Cocibolca („Nicarguasee“) mündet.

Zu Zeiten des Contra-Krieges war San Carlos Trutzburg der Sandinisten gegen die Überfälle der reaktionären Kämpfer, welche von costaricanischem Boden aus unternommen wurden. Knapp zwei Bootsstunden entfernt liegt das Archipel Solentiname auf dem Cocibolca, welches Sandinisten als Rückzugsgebiet diente und heute Heimat des ehemaligen Kulturministers und Befreiungstheologen Ernesto Cardenal ist.

Begrüßt wurden die Musiker durch Vertreter der Naturschutzkomitees von beiden Seiten der Grenze. Diese verlasen einen gemeinsam erarbeiteten „Brief der Flüsse“, in dem sie von den politisch Verantwortlichen auf allen Ebenen konsequenten Einsatz für Umwelt- und Gewässerschutz fordern und sich klar gegen jede Form von Rassismus und Menschenrechtsverletzung an den Grenzen wenden. Solche politischen Erklärungen sammeln die Musiker in allen Gemeinden ein, um sie öffentlich bekannt zu machen. Vorgestellt werden soll sie auch am Rande des Gipfeltreffens der Präsidenten Mittelamerikas im Mai. „Für die Bewohner der Gegenden auf beiden Seiten des Rio San Juan ist die Idee der Grenze irreal. Wir sind aufeinander angewiesen und arbeiten deshalb seit zwei Jahrzehnten gemeinsam für den Naturschutz“, sagte Javier Arana, der Fischer ist Sprecher der Umweltschutzgruppe „El Gaspar“, die zum Programm „Allianzen“ der International Union for Conservation of Nature
(Weltnaturschutzunion, IUCN) gehört. In Nicaragua rechnet Arana fest mit der Unterstützung der Regierung von Daniel Ortega: „Da bewegen sich Dinge, Daniel nimmt uns ernst“. Kürzlich wurde er als bekannter Umweltschützer zum Repräsentanten des Fischereiministeriums berufen.

costa-rica-musik2Der Besuch der Musiker ist für Olman Varela von der IUCN eine einmalige Gelegenheit für die Anwohner: „Abgesehen von der reichen kulturellen Erfahrung bietet die Zusammenkunft die Möglichkeit, dass die Menschen von hier ihre Erfahrungen, Sorgen und Vorschläge einer Öffentlichkeit vorstellen können, die sie sonst nicht erreichen.“

Hinter dem Orchester steht indes die Idee, die kulturellen Wurzeln der Musik Lateinamerikas wieder zu entdecken, erklärt die argentinische Sängerin Belén Ilé: „Die indigenen Traditionen werden als Herkunft unserer Identität in vielen Ländern abgelehnt. In Argentinien fühlt man sich sehr europäisch, die alten Traditionen zu erforschen und aufleben zu lassen, haben wir uns zur Aufgabe gemacht.“

Auch ein globales Publikum konnte dem Konzert am 17. April lauschen. Nach einigem Aufwand war es dem Kommunikations-Team der IUCN gelungen einen DSL-Internetanschluss auf die Flusspromenade zu verlegen und das Ereignis per Audio-Stream weiterzuverbreiten über die Kanäle der Radioverbände ALER und AMARC in Lateinamerika, ARPAS (El Salvador) sowie RedConVoz (Spanien) und weitere Internetradios.

Im kommenden Jahr wird das Orchester den Amazonas bereisen und in 2010 den Missisipi.

Mehr Infos: www.rioinfinito.org

Mobbten Ananasbarone die Umweltdirektorin?

Von: Von Natalia López Espinoza und Torge Löding (Voces Nuestras, San José)

Überraschend ist die Direktorin des staatlichen “technischen nationalen Umweltsekretariats” (SETENA) Costa Ricas, Tatiana Cruz Ramírez, von ihrem Posten zurück getreten. Einer Lokalzeitung gegenüber begründete sie diesen Schritt mit persönlichen Gründen, aber auch der fehlenden Unterstützung der Regierung bei Forderungen Dritter ihrer Institution gegenüber.

Die bisherige Direktorin verlässt die Institution in einem kritischen Moment: SETENA — als Teil des Umweltministeriums MINAE soll es die Einhaltung von Umweltauflagen überwachen — wird zurzeit umstrukturiert und muss sich im gleichen Moment mit einer stetig steigenden Zahl von Projekten beschäftigten. Neben Bauvorhaben sind das vor allem neue Ananasplantagen.

Anfang Februar hatte Tatiana Cruz Ramírez gegenüber einer Gruppe von Anwohnern in der Provinz Limón kritisiert, dass die Regierung von Präsident Oscar Arias Druck ausübe, damit Ananasplantagen nicht die Produktionslizenz entzogen werde. Dieser politische Druck mag die Erklärung dafür sein, dass die Ananasplantage Tico Verde in der gleichen Provinz weiterhin produziert, obwohl SETENA eine vorläufige Schließung verordnet hatte. Der Produzent steht im Verdacht systematisch gegen Umweltauflagen zu verstoßen.

Im Februar hatte die Funktionärin Anwohner empfangen, welche sich um den Zustand der Gewässer im Gebiet der Ananasplantagen sorgten. Cruz Ramírez erkärte bei diesem Anlaß, dass die Plantagenbesitzer für keine einziges in Costa Rica betriebenes Ananasfeld die nötige Studie zu Umweltfolgen vorgelegt hätten. Ihr sei zudem bekannt, dass u.a. der Umweltminister regelmäßig Anrufe von Ananasunternehmern erhalte, die den weiteren Betrieb der Plantagen sicherstellten. Die Direktorin hatte das Amt erst im Dezember 2006 angetreten.