Archiv der Kategorie 'Allgemeines'

EU–Kommission inspiziert Ananasplantagen in Costa Rica

Von Fabian Kern (San José, 21. Oktober 2009, voces nuestras)

Anfang Oktober wurden die Exportunternehmen in Costa Rica von einer europäischen Kommission besucht, die Pestizidkontrollen in Früchten für den Export in die EU, vor allem bei Ananas, Melonen und Mangos durchführte. Die Kommission war besorgt wegen der Pestizidrückstände in Früchten aus Costa Rica.

In Costa Rica löste dieser Besuch ein großes Medienecho aus, weil sich mit dem Anbau dieser Früchte viele Probleme verbinden. Im Süden des Landes wird durch den intensiven Anbau von Ananas in Monokulturen das Grundwasser verseucht. Außerdem vermehren sich in den Produktionsabfällen der Ananasindustrie Stechmücken, welche die Rinderbestände der ViehzüchterInnen gefährden und die AnwohnerInnen belästigen. Die ArbeiterInnen in den Ananasplantagen klagen bereits nach wenigen Jahren über schwere Gesundheitsschäden und GewerkschafterInnen, welche diese Zustände anprangern, werden mit dem Tode bedroht.

Das Ministerium für Viehzucht und Landwirtschaft hat bereits einige Farmen versiegeln lassen weil diese nicht den Bestimmungen entsprachen. Die BetreiberInnen der Plantagen zwingen jedoch ihre ArbeiterInnen dazu, die Absperrungen zu öffnen und den Betrieb aufrecht zu erhalten.

Weil die Regierungsinstitutionen innerhalb Costa Ricas bisher kaum etwas zur Lösung der Probleme der Betroffenen unternommen hat, richteten sich nun viele Hoffnungen auf die Kommission der Europäischen Union. Diese traf sich aber laut ihrem Plan ausschließlich mit RepräsentantInnen der Exportunternehmen und besuchte nur bereits im Vorfeld ausgewählte Ananasplantagen. Am letzten Tag der Visite gelang es den sozialen Organisationen immerhin noch, den BesucherInnen aus Europa ihre Forderungen und Studien zu übergeben.

Bei der Übergabe der Dokumente verdeutlichten die Mitglieder der Kommission erneut, dass ihre Mission ausschließlich darin bestehe, die Pestizidrückstände in den Früchten zu kontrollieren, um die KonsumentInnen in Europa zu schützen. Für die Umweltprobleme in Costa Rica hätten sie kein Mandat. Die Dokumente würden aber an entsprechende Organisationen in Europa weitergeleitet werden. Im Februar 2010 soll laut Angaben der EU der Bericht der Kommission auf deren Website publiziert werden.

Volksinitiative bringt Wassergesetz ins Parlament

Von Torge Löding (Voces Nuestras)

Mit ihrem Entwurf für ein neues Wassergesetz strebt die landesweite Allianz zur Verteidigung des Wassers ANDA eine Ordnung des „legalen und institutionellen Chaos“ an, welches sie verorten. Das aktuelle Gesetz stammt aus dem Jahr 1942 und ist in vielen Punkten hinfällig. „Mittlerweile mussten wir erkennen, dass Wasser nicht unendlich vorhanden ist. Das Gesetz von 1942 trägt dem keine Rechnung“, sagte Carlos Manuel Álvarez, der sich in Heredia für den Zugang zu Trinkwasser einsetzt. Im mittelamerikanischen Costa Rica ist dieser recht vorbildlich umgesetzt, die öffentlichen Wasserwerke gewährleisten diesen für 97 Prozent der Bevölkerung in Stadt und Land. Damit das so bleibt, sieht das neue Gesetz demokratische Partizipation der Anwohner in Wasserausschüssen vor.
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Schulkinder übergaben der Protokollchefin des costaricanischen Parlaments am vergangenen Donnerstag während einer feierlichen Veranstaltung die tausenden Unterschriftenliste, auf denen mehr als 150.000 wahlberechtigte Costaricaner für das neue Wassergesetz unterzeichnet hatten. Es ist der zweite Gesetzentwurf, der als Volksinitiative eingebracht wird, nachdem ihn mehr als fünf Prozent der Wahlberechtigten unterstützten. Das ist seit dem Jahr 2007 möglich. „Mit diesem Akt haben wir in Costa Rica ein Fenster hin zur partizipativen Demokratie geöffnet“, sagte Rolando Castro, Vorsitzender des „Zentrums für Umweltrecht und natürliche Ressourcen“ (CEDARENA).

„Die größte Gefahr geht von der Privatisierung aus. Ich habe an internationalen Konferenzen teilgenommen, wo insbesondere Vertreter aus Südamerika berichteten, wie internationale Konzerne mit großen Versprechen kamen, die öffentlichen Wasserversorger aufkauften und die Konsequenzen dann fatal waren. Preise stiegen, die Qualität wurde miserabel. In Costa Rica müssen wir das verhindern!“, sagte Marco Mellín Delmore vom Wasserverteilungskomitee in Concepción Naranjo.

Der Gesetzesvorschlag definiert den Zugang zu Trinkwasser als Menschenrecht, die Interessen von Anwohnern wiegen dann also schwerer als z.B. Hotelburgen, die den Menschen heute vor allem in Guanacaste im wahrsten Sinne des Wortes drohen das Wasser abzugraben. Außerdem definiert es Wasser als öffentliches Gut, dass weder privatisiert noch gewinnbringend verkauft werden dürfe. Den Export von Wasser verbietet es nicht, aber knüpft ihn an klare Spielregeln.

„Damit steht das Gesetz den Interesse mächtiger Konzerne im Weg, die sich über Freihandelsabkommen den Weg zu unseren natürlichen Ressourcen bahnen wollen“, sagte der Anwalt Rolando Castro. Seine Auslegung des Textes des CAFTA-Abkommens mit den USA ermögliche den Schutz des Wassers. Doch die nächste Gefahr steht vor der Tür: Derzeit wird das Assoziierungsabkommen von EU und Zentralamerika verhandelt. Insbesondere Konzerne aus Frankreich und Spanien werfen begehrliche Blicke auf die costaricanischen Wasservorkommen.

Einzig der Parlamentarier der Linkspartei „Frente Amplio“ (Breite Front) José Merino wohnte der Unterschriftenübergabe bei. „Das Gesetz hat nur eine Chance, wenn sich die Zusammensetzung des Parlamentes ändert. Die 150.000 Unterstützer müssen sich in politische Aktivisten verwandeln und dafür sorgen, dass im Februar keine Kandidaten der Parteien gewählt werden, die für Privatisierung sind!“, sagte Merino. Innerhalb von zwei Jahren muss das Parlament den Gesetzesvorschlag umsetzen, kann bis dahin aber jede Menge Änderungen vornehmen.

Vor wenigen Wochen beschloss unterdessen das Parlament des Nachbarlandes Nicaragua ein Gesetz, welches auf dem Vorschlag von ANDA basiert. Damit hat es das fortschrittlichste in der Region.

onda-info 217 spezial Costa Rica

Willkommen beim aktuellen onda info Radiospezial aus Costa Rica!

Dieses Mal mit folgenden Themen:

1. Seit mehr als 17 Jahren wehren sich Anwohner_innen und Naturschützer_innen gegen das Goldminentagebebauprojekt Las Crucitas im Norden Costa Ricas. Sie fürchten fatale Folgen für Umwelt und den Frieden in der Region. Die Mine bedroht auch den Rio San Juan, den mächtigen Grenzfluss mit Nicaragua. (Ressourcenbeitrag).
2. Interview mit der Künstlerin und Theologin Anne Stickel, Mitarbeiterin des ökumenischen Forschungszentrums DEI. Sie kreiert Gemeinschafts-machen (Beitrag „Zehn Maßnahmen“)
4. Interview mit dem deutschen Forscher Hauke Rolf (Universität Mainz) zum Thema „Nicaraguanische MigrantInnen in Costa Rica“

Hier geht es zur Sendung (einfach klicken!):  www.npla.de/onda

Costa Ricas Linke setzt auf junge Kandidaten

Von Torge Löding (San José)

Aufsehen erregte die Nominierung der Kandidaten der Linkspartei „Frente Amplio“ („Breite Front“) für die Wahlen am 07. Februar 2010: Mit José Maria Villalata (32) und Eva Carazo (34) stehen zwei landesbekannte, junge Aktivisten der sozialen Bewegung auf den aussichtsreichsten Plätzen. Sie stehen für einen Generationswechsel. „Für setzen auf einen radikalen Wandel dieses Systems. Denn es schließt Menschen aus und konzentriert die Möglichkeiten und den Reichtum in immer weniger Händen. Für die Mehrheit produziert es schlechte Konditionen. Wir wollen eine solidarische und gerechte Gesellschaft. Erreichen wollen wir das Hand in Hand mit den sozialen Bewegungen. Jede Art von Privatisierung lehnen wir ab“, sagte Eva Carazo.
Kandidaten José Maria Villalta und Eva Carazo
Bisher stellt die Frente Amplio mit José Merino nur einen Abgeordenten. Nach den Wahlen sollen es deutlich mehr werden. Ob es indes für eine Regierungskoalition mit den Mitte-Links-Parteien reicht, steht in den Sternen. Mit Eugenio Trejos — der Rektor der Technischen Universität von Costa Rica war Sprecher der Bewegung gegen das neoliberale CAFTA-Abkommen mit den USA beim Referendum 2007 — will die Linke erst einmal einen eigenen Bewerber in die erste Runde der Präsidentschaftswahlen schicken.

Die kommunistische PVP hat sich noch nicht entschieden, ob sie zur Wahl der Frente Amplio aufruft. Eine eigene Kandidatur wie 2006 als „Vereinigte Linke“ mit den Trotzkisten und Unabhängigen wird es wohl nicht geben.

Für die größte Oppositionspartei „Partei der Bürgeraktion“ (PAC) kandidiert zum dritten Mal Parteigründer und Technokrat Ottón Solis; ein „Mann der Mitte“. Viele werfen dem ehemaligen Mitglied der sozialdemokratischen PLN und Ex-Planungsminister vor keine neuen Ideen zu haben. So falsch kann das nicht sein; Solis sagte im Interview mit der Wochenzeitung Semanario Universidad, er trete mit einem ähnlichen Programm wie beim letzten Mal an: „Es gibt neue Umstände wie die Wirtschaftskrise oder das CAFTA-Freihandelsabkommen, aber deshalb muss man keine großen Änderungen vornehmen“, sagte der Politiker, der 2006 dank der Unterstützung der CAFTA-Kritiker dem Konservativen Oscar Arias nur um Haaresbrheite unterlag. Sein Wahlprogramm war damals ein dünner Forderungskatalog mit Bekenntnis zur sozialen Marktwirtschaft. Bei der kommenden Wahl möchte er die Wähler vor allem mit einem Sparprogramm gewinnen. Das sei zwar wenig attraktiv, aber ehrlich. So seine Faustregel.

Herausfordern wird er die Kronprinzessin des amtierenden Präsidenten Oscar Arias: Die ehemalige Vizepräsidentin Laura Chinchilla. Die erste weibliche Präsidentschaftskandidatin in Costa Rica vertritt den rechten Parteiflügel der Sozialdemokraten (PLN). Sie verantwortet schärfere Sicherheitsgesetze und unter ihrer Ägide kam es zu bisher ungekannten gewalttätigen Übergriffen der Polizei gegen linke Demonstranten.

Den wohl schillernsten Kandidaten schickt die “Partei der Christlich-Sozialen Einheit” (PUSC) ins Rennen. Sie hat ihren Ex-Präsidenten (1990-1994) Rafael Angel Calderón aufgestellt. Die Christsozialen mussten dafür ihre Statuten ändern, denn gegen den Politiker läuft ein Korruptionsverfahren.

Costa Rica ist das einzige Land Lateinamerikas, indem eine Partei, welche für die Rechte von Menschen mit Behinderung streitet, einen Parlamentssitz errungen hat. Seit 2006 vertritt der Blinde Oscar Lopez die „Partei für Barrierefreiheit“ (PASE) im Parlament. Einen Namen gemacht hat er sich in dieser Zeit als unermüdlicher Kämpfer für soziale Rechte und gegen das umstrittene CAFTA-Freihandelsabkommen. Im kommenden Jahr tritt er als PASE-Präsidentschaftskandidat an, denn eine zweite Amtszeit als Abgeordneter ist nicht möglich. Trotzdem hofft die PASE ihren Sitz zu verteidigen.

Das Herz mit der Nationalfarbe, angelehnt an das Logo der Anti-CAFTA-Bewegung, verwendet unterdessen die neugegründete „Patriotische Allianz“ (AP) als Symbol. Diese Gruppierung möchte vor allem die 49 Prozent der costaricanischen Wahlbürger für sich gewinnen, welche beim Referendum 2007 gegen das CAFTA-Freihandelsabkommen zwischen den USA, Zentralamerika und der Dominikanischen Republik gestimmt haben und damit hauchdünn unterlagen. „Wir sind eine Allianz gegen den Neoliberalismus. Politisch stehen wir Mitte-Links und suchen eine Koalition mit Kräften, die ein anderes Costa Rica für möglich halten und mehr Sozialstaat wollen“, sagte Präsidentschaftskandidat Rolando Araya. Im Jahr 2002 war er als Kandidat der regierunden Sozialdemokraten (PLN) angetreten, sein Bruder Jhonny ist PLN-Bürgermeister der Hauptstadt San José.

Für die rassistische “Libertären Bewegung” (ML) tritt erneut der Ultrarechte Otto Guevara an. Bei den Wahlen 2006 errang Guevara gut 8 Prozent der Erst- und 9 Prozent der Zweitstimmen. Im kommenden Jahr wird das hoffentlich weniger.

Der Autor arbeitet für das unabhängige Kommunikationszentrum Voces Nuestras in San José, Costa Rica

Radiospezial aus Costa Rica

Lust auf eine Radiosendung zu aktuellen Themen aus Costa Rica? Die Radioagentur onda info hat gerade eine halbstündige Sondersendung produziert:

In diesem onda-info aus Costa Rica geht es um Umweltpolitik und Arbeitsrecht.

1.) Im Ressourcenbeitrag berichten wir vom Kampf von Fischergemeinden gegen drohende Vertreibung:

Costa Rica gilt als Musterländle im Umweltschutz. Doch wem nutzt Naturschutz wirklich? Laut Umweltgesetzgebung muss bei der Bebauung 200 Meter Mindestabstand zum Strand eingehalten werden. Das könnte nun die Existenz von einigen Fischerdörfern
bedrohen, doch die kündigen Widerstand an. Torge Löding hat bedrohte Gemeinden besucht.

2.) Studiogast Oliver Luethi arbeitet bei der Arbeitsrechtorganisation ASEPROLA und berichtet im Interview von einer Kampagne für Gewerkschaftsrechte.

3.) Costa Rica: Öko-Avantgarde oder grüne Schummelpackung? Anmod.: In Costa Rica bereiten sich die Parteien auf den Wahlkampf vor. In sieben Monaten sind die WahlbürgerInnen des zentralamerikanischen Landes aufgerufen, über die Nachfolge des amtierenden Präsidenten und Friedensnobelpreisträgers Oscar Arias zu bestimmen.
Torge Löding hat die Umweltpolitik des scheidenden Präsidenten unter die Lupe genommen.

4.) Studiogäste Jonathan Dulisch und Oliver Luethi berichten im Interview über ihre Erfahrungen als Freiwillige in Costa Rica.

Hier geht es zur Sendung: http://www.npla.de/onda/content.php?id=913

Costa Rica Flüge

Eine Meldung des Costa Rica Magazins in eigener Sache

Das Costa Rica Magazin will nicht nur über Land und Leute informieren, sondern auch Reisetipps - immer mit dem Focus auf Ökotourismus - bieten. Im Glossar entstehen Beiträge zu Themen, die für Ihre Reise nach Costa Rica von praktischen Nutzen sind.

Beispielsweise finden Sie im Glossareintrag Flüge nach Costa Rica Tipps, Informationen und weiterführende Links, die für Ihre Reiseplanung nützlich sein können, wie etwa, was Sie bei einem Flug mit Transit USA beachten müssen. Mit diesem Angebot hoffen wir, Ihnen die Vorbereitung für den Aufenthalt in dem grünen Paradies Costa Rica zu erleichtern. Weitere Artikel mit praktischen Tipps werden folgen.

(ade)

Putschmilitärs verschleppen honduranischen Präidenten Zelaya nach Costa Rica

Von Torge Löding, San José

Alarmrufe und Schüsse hatten den Präsidenten am frühen Sonntagmorgen geweckt. „Ein Überfallkommando von Militärs stürmte in mein Schlafzimmer. Gewaltsam entwendete man mir mein Mobiltelefon und führte mich gegen meinen Willen in die Präsidentenmaschine“, berichtete Präsident Manuel Zelaya am Sonntag Vormittag (Ortszeit) auf einer Pressekonferenz in Costa Ricas Hauptstadt San José. Sichtlich erschöpft rang Zelaya mit den Worten, an der Seite von Costa Ricas Staatschef Oscar Arias stellte er sich den Fragen der Journalisten. Gekleidet noch immer im kurzärmeligen weißen Oberteil seines Schlafanzuges. Die Präsidentenmaschine wird von Militärpiloten geflogen. In dieser sei er entführt worden und habe nicht politisches Asyl in Costa Rica beantragt, sagte er weiter. Oscar Arias bestätigte das, bot seinem honduranischen Amtskollegen aber die volle Gastfreundschaft seines Landes an.

In aller Deutlichkeit verurteilte das von Kuba und Venezuela ins Leben gerufene Wirtschaftsbündnis ALBA, dem Honduras angehört, den Putsch. Dementsprechend äußerten sich auch die Organisation der Amerikanischen Staaten (OEA), US-Präsident Barack Obama und zahlreiche Staatschef aus der ganzen Welt, darunter alle lateinamerikanischen. Die Wahl des rechten Parlamentspräsidenten Roberto Micheletti zum Interimspräsidenten durch den Kongress sei eine Farce. „Der einzig legitime Präsident von Honduras heißt Manuel Zelaya“, sagte zum Beispiel El Salvadors Präsident Mauricio Funes. Am heutigen Montag will Zelaya gemeinsam mit Oscar Arias zum Gipfeltreffen der zentralamerikanischen Regierungschefs nach Managua fliegen.

Der Kongress von Honduras, den die Ultrarechte dominiert, rechtfertigte den Putsch als „notwendige Maßnahme zur Rettung der Demokratie“. Der Präsident habe sich verfassungswidrig verhalten, als er zu einer Abstimmung am gestrigen Sonntag aufgerufen habe. Die Bevölkerung sollte sich dazu äußern, ob sie damit einverstanden ist, dass im November zeitgleich zu den Präsidentenwahlen eine weitere Abstimmung zur Einberufung einer verfassungsgebenden Versammlung stattfindet. Laut der aktuellen Verfassung sind Plebiszite zu politischen, sozialen und ökonomischen Themen verboten. Das würde Zelaya gerne ändern, sagte er in San José. „Aber ich habe nichts getan, als eine Meinungsumfrage anzuberaumen. Die reaktionäre herrschende Klasse nutzte das für einen Putsch. Was hätte sie getan, wenn ich eine Wirtschaftsreform verabschiedet hätte? Mich standrechtlich erschossen?“, sagte der Staatschef. Seine Landsleute rief er zu friedlichen Protesten auf, die Putschmilitärs warnte er, seiner Familie kein Leid zuzufügen.

Opfer gewalttätiger Überfälle wurden auch die Botschafter von Kuba und Venezuela in Honduras. Genau wie Außenministerin Patricia Rodas seien sie aus ihren Betten gezerrt und geschlagen worden. Auch die US-Administration verurteile diese Verletzung der Diplomatenimmunität als ungeheuerlich. Die Ministerin wurde von den Militärs entführt, andere Regierungsmitglieder tauchten unter, bilden seither ein Untergrundkabinett und gaben den Sonntag über Telefoninterviews. In Honduras wurden auf Anordnung der putschenden Militärs fast alle Radio- und TV-Sender abgeschaltet und eine Ausgangssperre verhängt. Trotzdem setzten die Unterstützer des „Präsidenten der Armen“ ihre Proteste vor dem Präsidentensitz und zahlreiche Straßenblockaden im ganzen Land fort. In einem roten Zelt führten die Vertreter zahlreicher sozialer Organisationen die Umfrage zur „Vierten Urne“ fort.

Nach 28 Jahren ist nun die Bestie der Militärdiktatur nach Zentralamerika zurück gekehrt. „Unsere Demokratien sind weniger gefestigt und anfälliger dafür, als wir gehofft hatten“, sagte Costa Ricas Präsident Oscar Arias. Der Friedensnobelpreisträger regiert indes ein Land, welches das Militär vor über 60 Jahren abgeschafft hat. Vor der honduranischen Botschaft in Costa Rica protestierte unterdessen eine Gruppe gegen den Putsch in Honduras.

Manuel Zelaya wies mehrfach den Vorwurf zurück, dass er die „Vierte Urne“ für seine Wiederwahl nutzen wolle. Er habe nie geplant bei den Wahlen am 29. November anzutreten. Für die Liberale Partei PLH — dieser gehört Zelaya zwar an, wird aber vom ultrarechten Flügel dominiert — wollte auch Roberto Micheletti antreten, unterlag bei den internen Vorwahlen aber gegen Elvin Santos. Heute lässt er sich von den Putschisten nun als „Präsident de facto“ feiern.

Der Autor arbeitet für das unabhängige Kommunikationszentrum Voces Nuestras, San José, Costa Rica

Wetter in Costa Rica: Der “kleine Sommer” hält Einzug

(San José) Für dieses Wochenende ewartet das Metereologische Institut (IMN)von Costa Rica den “kleinen Sommer von San Juan”. Dieser Veranillo de San Juan ist ein Wetterphänomen, dass die Regenzeit unterbricht und einige Tage Superwetter garantiert. Damit unterbricht es die Regenzeit, die im Mai eingesetzt hat. Unter Costa Rica-Reisenden gilt Mitte Juni deshalb als Geheimtipp.

Das Wetter in Costa Rica kennt zwei Jahreszeiten: Die Trockenzeit von Dezember bis April und die Regenzeit von Mai bis November. Letztere wird im Tourismus auch „grüne Saison genannt“. In der Regel grüsst auch zwischen Mai und November ein blauer Himmel und Sonnenschein am Morgen. Gegen Mittag ziehen dann erste Wolken auf, um sich später in kurzen, aber heftigen Schauern zu entladen. Ein Wetter also, das sich nicht mit Regentagen in Deutschland vergleichen lässt.

Ein anderer Wetter-Geheimtipp ist eine Reise an Costa Ricas Karibikküste Ende September / Anfang Oktober. Dann herrschen dort in der Regel wunderbare klimatische Verhältnisse, die karibische See ist glatt wie ein Spiegel und eignet sich hervorragend zum Schnorcheln und Tauchen.

Die Durchschnittstemperatur in dem tropischen Klima liegt bei 22º C (72º F). An den Küsten liegt diese deutlich höher. Die zentrale Hochebene, wo sich auch die Hauptstadt San José befindet, gilt aufgrund der moderaten Temperaturen als die klimatische Zone des „ewigen Frühlings“.

Aufgrund der Lage zwischen 8° und 11° nördlicher Breite befindet sich Costa Rica in den Tropen, allerdings differieren die Niederschläge erheblich. In San José fallen im Jahr 1867 mm, in Puerto Limón an der Karibikküste mit 3518 mm fast doppelt so viel.

Die Landesgeographie ist der Grund dafür, dass sich in Costa Rica verschiedene mikroklimatische Zonen finden, sprich nur wenige Kilometer weiter kann das Wetter schon ganz anders sein. Augrund dieser klimatischen Eigenschaften und der Topographie gibt es in Costa Rica verschiedenste Waldformen: Nebel-, Regen-, Trocken- und Übergangswald.

Aktuelle Informationen über das Wetter finden sich auf der Website des Meteorologischen Instituts von Costa Rica (IMN). Wer kein spanisch versteht, klickt am besten auf diese leicht verständliche Wettervorhersage für die nächsten Tage: www.imn.ac.cr/IMN/MainAdmin.aspx?__EVENTTARGET=PronosticoTiempo

(tol)

Leonardo DiCaprio mit Filmprojekt in Costa Rica?

(San José) Die Welt von Online-Glücksspiel und Sportwetten ist laut einem Bericht der mexikanischen Tageszeitung El Universal das Thema des nächsten Films von US-Filmstar Leonardo DiCaprio. Als Drehort nennt die Zeitung das zentralamerikanische Costa Rica, wo viele Online-Firmen angesiedelt sind. Der Hollywood Reporter berichtet, die Produktion übernehme APPIAN WAY. Diese Produktionsfirma gehört DiCAPRIO. Drehbuchideen liefern Brian Koppelman und David Levien, die Autoren der Hollywood-Blockbuster Oceans Thirteen und Rounders.

Details gibt es noch keine, aber besonders das Thema Online-Sportwetten (Sportbooks)  ist heikel, denn viele Firmen nutzen ihren Sitz in Costa Rica, um das Sportwettverbot in den USA zu umgehen. Die Zeitung La Nación berichtet zudem von Geldwäsche, welche Mafiosi aus New York über solche Wettfirmen in Costa Rica betreiben sollen. Zudem sind Betrugsfälle bekannt. Skandale, bei denen Online-Wettfirmen ihren Kunden Gewinne einfach nicht ausgezahlt haben.

Leonardo DiCaprio kennt Costa Rica bereits. Mehrere Male besuchte er das zentralamerikanische Land als Tourist. Zuletzt 2007, als er mit seiner damaligen Freundin Giselle Bündchen Urlaub am Playa Mal País, Puntarenas, machte. Einen Film hat der Star bisher aber nicht in Costa Rica gedreht. (tol)

Für tausende Vögel ist Costa Rica der Lieblingsnistplatz

Das Klima, die Fülle an Futter und Wälder sind optimale Bedingungen für hunderte von Vögeln, die Costa Rica bevorzugen und die Menschen mit ihrem wunderschönen, exotischen Federkleid, ihrem zarten Gesang und ihren Flugkünsten betören.

Aufgrund der einzigartigen Bedingungen in Costa Rica kommen die Zugvögel auf ihren Flug vom Osten Nordamerikas zunächst bis in unsere Regionen. Hier bleiben sie ungefähr sechs Monate, ernähren sich und genießen die besten Bedingungen, um später erneut, in der Paarungszeit, nach Norden zurück zu kehren.

Costa Rica erfreut sich einer großen Vielfalt von Vögeln. Nach Angaben des Vorsitzenden der Vereinigung der Ornithologen von Costa Rica, Juli Sánchez, gibt es ungefähr 900 Vogelspezies, darunter 50 sehr wertvolle, endemische Spezies und 200 Zugvögel.

“Wir müssen stolz auf unsere Natur sein. Auf einer relativ kleinen Fläche lebt eine spektakuläre Anzahl von Vögeln. Die Vogelwelt ist sehr reichhaltig und das ist von großer Bedeutung. Von noch größerer Tragweite ist, dass es im Land 40 endemische Spezies gibt, wie der Feuerkehlelfe-Kolibri, der Feuerschnabel-Arassari und der Maskenklarino“, versicherte Sánchez.

Quelle: ICT