Angst vor Frieden?

Polemik um venezuelanisches Zentrum in Costa Rica

Von Torge Löding, San José

Costa Ricas Regierung befürchtet eine Einmischung Venezuelas in die inneren Angelegenheiten des zentralamerikanischen Landes. Präsidialminister Rodrigo Arias kündigte an, daß die Behörden die »Friedensbasis« untersuchen wollen, die Venezuelas Botschaft in der costaricanischen Hauptstadt San José Ende September eröffnet hatte.

»Für mich ist das ein Sturm im Wasserglas«, meinte hingegen der Parlamentsabgeordnete der Linkspartei »Frente Amplio« (Breite Front), José Merino, gegenüber CRMag.de . »Ich habe an Veranstaltungen der Friedensbasis teilgenommen. Der Vorwurf ist lächerlich, denn das Programm besteht aus kulturellen und Informationsveranstaltungen, wie sie jede andere Botschaft auch organisiert. In keinem Falle wurden Dinge besprochen, die mit einer Einmischung in innere Angelegenheiten zu tun haben.«

Nach Kuba und Nicaragua war Costa Rica das dritte Land, in dem die örtliche venezolanische Botschaft eine solche Friedensbasis eröffnet hat. Diese Begegnungsstätten für Frieden und Völkerverständigung sollen eine Alternative zur aggressiven US-Außenpolitik darstellen. Die Initiative dazu hatte Venezuelas Regierung im August ergriffen, um ein sichtbares Zeichen gegen die von den Vereinigten Staaten in Kolumbien geplante Errichtung von sieben Militärstützpunkten zu setzen. Die Länder des progressiven Staatenbundes »Bolivarische Allianz für die Völker unseres Amerikas« (ALBA), aber auch die Regierungen der anderen Staaten Südamerikas fühlen sich durch diesen Plan der US-Administration bedroht.

Auch in Costa Rica, das seit 1948 über keine Armee verfügt, drohen weitere Militäraktivitäten Washingtons. »Mich beunruhigt, daß die US-Außenpolitiker Costa Rica tiefer in ihre Strategie hineinziehen wollen. Dazu gehört der Plan einer permanenten Basis für die US-Marine und einer großen Radarstation in der Karibik. Sie präsentieren das unter dem Vorwand der Drogenbekämpfung, aber es ist der Beleg dafür, daß Präsident Barack Obama trotz moderatem Diskurs mit den gleichen Mitteln wie seine Vorgänger gegen Lateinamerikas Linksregierungen und die Bestrebungen zur Einigung vorgeht«, kritisierte Merino.

Venezuelas Botschafter in Costa Rica, Nelson Pineda Prada, kann die Kritik an der »Friedensbasis« nicht nachvollziehen. Ihr zentrales Anliegen sei die Förderung der Einheit Lateinamerikas im Geiste seiner Befreier Simón Bolivar, José Martí, Francisco Morazán und des Costaricaners Juanito Mora. Costa Ricas Präsident Óscar Arias hält davon jedoch offenbar nicht viel: »Von Venezuela kann man lernen, wie man Baseball spielt. Aber über Frieden können die uns nichts beibringen«, sagte er gegenüber Journalisten. Der Sozialdemokrat und Friedensnobelpreisträger gilt als loya­ler Verbündeter der USA.

* Der Autor arbeitet für das unabhängige Kommunikationszentrum Voces Nuestras in San José, Costa Rica

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