Archiv vom Oktober 2009

Angst vor Frieden?

Polemik um venezuelanisches Zentrum in Costa Rica

Von Torge Löding, San José

Costa Ricas Regierung befürchtet eine Einmischung Venezuelas in die inneren Angelegenheiten des zentralamerikanischen Landes. Präsidialminister Rodrigo Arias kündigte an, daß die Behörden die »Friedensbasis« untersuchen wollen, die Venezuelas Botschaft in der costaricanischen Hauptstadt San José Ende September eröffnet hatte.

»Für mich ist das ein Sturm im Wasserglas«, meinte hingegen der Parlamentsabgeordnete der Linkspartei »Frente Amplio« (Breite Front), José Merino, gegenüber CRMag.de . »Ich habe an Veranstaltungen der Friedensbasis teilgenommen. Der Vorwurf ist lächerlich, denn das Programm besteht aus kulturellen und Informationsveranstaltungen, wie sie jede andere Botschaft auch organisiert. In keinem Falle wurden Dinge besprochen, die mit einer Einmischung in innere Angelegenheiten zu tun haben.«

Nach Kuba und Nicaragua war Costa Rica das dritte Land, in dem die örtliche venezolanische Botschaft eine solche Friedensbasis eröffnet hat. Diese Begegnungsstätten für Frieden und Völkerverständigung sollen eine Alternative zur aggressiven US-Außenpolitik darstellen. Die Initiative dazu hatte Venezuelas Regierung im August ergriffen, um ein sichtbares Zeichen gegen die von den Vereinigten Staaten in Kolumbien geplante Errichtung von sieben Militärstützpunkten zu setzen. Die Länder des progressiven Staatenbundes »Bolivarische Allianz für die Völker unseres Amerikas« (ALBA), aber auch die Regierungen der anderen Staaten Südamerikas fühlen sich durch diesen Plan der US-Administration bedroht.

Auch in Costa Rica, das seit 1948 über keine Armee verfügt, drohen weitere Militäraktivitäten Washingtons. »Mich beunruhigt, daß die US-Außenpolitiker Costa Rica tiefer in ihre Strategie hineinziehen wollen. Dazu gehört der Plan einer permanenten Basis für die US-Marine und einer großen Radarstation in der Karibik. Sie präsentieren das unter dem Vorwand der Drogenbekämpfung, aber es ist der Beleg dafür, daß Präsident Barack Obama trotz moderatem Diskurs mit den gleichen Mitteln wie seine Vorgänger gegen Lateinamerikas Linksregierungen und die Bestrebungen zur Einigung vorgeht«, kritisierte Merino.

Venezuelas Botschafter in Costa Rica, Nelson Pineda Prada, kann die Kritik an der »Friedensbasis« nicht nachvollziehen. Ihr zentrales Anliegen sei die Förderung der Einheit Lateinamerikas im Geiste seiner Befreier Simón Bolivar, José Martí, Francisco Morazán und des Costaricaners Juanito Mora. Costa Ricas Präsident Óscar Arias hält davon jedoch offenbar nicht viel: »Von Venezuela kann man lernen, wie man Baseball spielt. Aber über Frieden können die uns nichts beibringen«, sagte er gegenüber Journalisten. Der Sozialdemokrat und Friedensnobelpreisträger gilt als loya­ler Verbündeter der USA.

* Der Autor arbeitet für das unabhängige Kommunikationszentrum Voces Nuestras in San José, Costa Rica

EU–Kommission inspiziert Ananasplantagen in Costa Rica

Von Fabian Kern (San José, 21. Oktober 2009, voces nuestras)

Anfang Oktober wurden die Exportunternehmen in Costa Rica von einer europäischen Kommission besucht, die Pestizidkontrollen in Früchten für den Export in die EU, vor allem bei Ananas, Melonen und Mangos durchführte. Die Kommission war besorgt wegen der Pestizidrückstände in Früchten aus Costa Rica.

In Costa Rica löste dieser Besuch ein großes Medienecho aus, weil sich mit dem Anbau dieser Früchte viele Probleme verbinden. Im Süden des Landes wird durch den intensiven Anbau von Ananas in Monokulturen das Grundwasser verseucht. Außerdem vermehren sich in den Produktionsabfällen der Ananasindustrie Stechmücken, welche die Rinderbestände der ViehzüchterInnen gefährden und die AnwohnerInnen belästigen. Die ArbeiterInnen in den Ananasplantagen klagen bereits nach wenigen Jahren über schwere Gesundheitsschäden und GewerkschafterInnen, welche diese Zustände anprangern, werden mit dem Tode bedroht.

Das Ministerium für Viehzucht und Landwirtschaft hat bereits einige Farmen versiegeln lassen weil diese nicht den Bestimmungen entsprachen. Die BetreiberInnen der Plantagen zwingen jedoch ihre ArbeiterInnen dazu, die Absperrungen zu öffnen und den Betrieb aufrecht zu erhalten.

Weil die Regierungsinstitutionen innerhalb Costa Ricas bisher kaum etwas zur Lösung der Probleme der Betroffenen unternommen hat, richteten sich nun viele Hoffnungen auf die Kommission der Europäischen Union. Diese traf sich aber laut ihrem Plan ausschließlich mit RepräsentantInnen der Exportunternehmen und besuchte nur bereits im Vorfeld ausgewählte Ananasplantagen. Am letzten Tag der Visite gelang es den sozialen Organisationen immerhin noch, den BesucherInnen aus Europa ihre Forderungen und Studien zu übergeben.

Bei der Übergabe der Dokumente verdeutlichten die Mitglieder der Kommission erneut, dass ihre Mission ausschließlich darin bestehe, die Pestizidrückstände in den Früchten zu kontrollieren, um die KonsumentInnen in Europa zu schützen. Für die Umweltprobleme in Costa Rica hätten sie kein Mandat. Die Dokumente würden aber an entsprechende Organisationen in Europa weitergeleitet werden. Im Februar 2010 soll laut Angaben der EU der Bericht der Kommission auf deren Website publiziert werden.