Archiv vom April 2008

Orquesta del Rio Infinito geht auf die Reise

Von: Torge Löding (Voces Nuestras)

Dem „Orchester des unendlichen Flusses“ schlossen sich 100 Musiker aus Lateinamerika an.

Das „Orquesta del Rio Infinito“ – das „Orchester des ewigen Flusses“ – hat seine erste Reise unternommen. Diese einmalige Formation von über 100 Musikern aus 14 Ländern Lateinamerika, darunter der bekannte linke Liedermacher León Gieco aus Argentinien,  möchte in den kommenden Jahren Flüsse auf dem ganzen Kontinent bereisen und sucht dabei den Austausch mit den Menschen in den Gemeinden, die sie besuchen. Dabei geht es ihnen nicht nur um kulturellen Austausch, sondern auch um umweltpolitische Fragen.

costa-rica-musikDas erste Kapitel der Reise führte rund 50 der Musiker des vom costaricanischen Pianisten Manuel Obregon ins Leben gerufenen Orchesters auf den Rio San Juan, den umstrittenen  Grenzfluss zwischen Costa Rica und Nicaragua. Hauptattraktion war das Konzert auf der großen Bühne, welche auf dem Pier des nicaraguanischen Ortes San Carlos errichtet worden war, wo sich der Rio Frio mit dem Rio San Juan trifft und in den mächtigen Lago Cocibolca („Nicarguasee“) mündet.

Zu Zeiten des Contra-Krieges war San Carlos Trutzburg der Sandinisten gegen die Überfälle der reaktionären Kämpfer, welche von costaricanischem Boden aus unternommen wurden. Knapp zwei Bootsstunden entfernt liegt das Archipel Solentiname auf dem Cocibolca, welches Sandinisten als Rückzugsgebiet diente und heute Heimat des ehemaligen Kulturministers und Befreiungstheologen Ernesto Cardenal ist.

Begrüßt wurden die Musiker durch Vertreter der Naturschutzkomitees von beiden Seiten der Grenze. Diese verlasen einen gemeinsam erarbeiteten „Brief der Flüsse“, in dem sie von den politisch Verantwortlichen auf allen Ebenen konsequenten Einsatz für Umwelt- und Gewässerschutz fordern und sich klar gegen jede Form von Rassismus und Menschenrechtsverletzung an den Grenzen wenden. Solche politischen Erklärungen sammeln die Musiker in allen Gemeinden ein, um sie öffentlich bekannt zu machen. Vorgestellt werden soll sie auch am Rande des Gipfeltreffens der Präsidenten Mittelamerikas im Mai. „Für die Bewohner der Gegenden auf beiden Seiten des Rio San Juan ist die Idee der Grenze irreal. Wir sind aufeinander angewiesen und arbeiten deshalb seit zwei Jahrzehnten gemeinsam für den Naturschutz“, sagte Javier Arana, der Fischer ist Sprecher der Umweltschutzgruppe „El Gaspar“, die zum Programm „Allianzen“ der International Union for Conservation of Nature
(Weltnaturschutzunion, IUCN) gehört. In Nicaragua rechnet Arana fest mit der Unterstützung der Regierung von Daniel Ortega: „Da bewegen sich Dinge, Daniel nimmt uns ernst“. Kürzlich wurde er als bekannter Umweltschützer zum Repräsentanten des Fischereiministeriums berufen.

costa-rica-musik2Der Besuch der Musiker ist für Olman Varela von der IUCN eine einmalige Gelegenheit für die Anwohner: „Abgesehen von der reichen kulturellen Erfahrung bietet die Zusammenkunft die Möglichkeit, dass die Menschen von hier ihre Erfahrungen, Sorgen und Vorschläge einer Öffentlichkeit vorstellen können, die sie sonst nicht erreichen.“

Hinter dem Orchester steht indes die Idee, die kulturellen Wurzeln der Musik Lateinamerikas wieder zu entdecken, erklärt die argentinische Sängerin Belén Ilé: „Die indigenen Traditionen werden als Herkunft unserer Identität in vielen Ländern abgelehnt. In Argentinien fühlt man sich sehr europäisch, die alten Traditionen zu erforschen und aufleben zu lassen, haben wir uns zur Aufgabe gemacht.“

Auch ein globales Publikum konnte dem Konzert am 17. April lauschen. Nach einigem Aufwand war es dem Kommunikations-Team der IUCN gelungen einen DSL-Internetanschluss auf die Flusspromenade zu verlegen und das Ereignis per Audio-Stream weiterzuverbreiten über die Kanäle der Radioverbände ALER und AMARC in Lateinamerika, ARPAS (El Salvador) sowie RedConVoz (Spanien) und weitere Internetradios.

Im kommenden Jahr wird das Orchester den Amazonas bereisen und in 2010 den Missisipi.

Mehr Infos: www.rioinfinito.org